Zahl der funktionalen Analphabeten in Deutschland gesunken

Eine erfreuliche Zahl wurde Anfang Mai 2019 bekanntgegeben: Die Zahl der funktionalen Analphabeten in Deutschland ist um 1,3 Millionen Menschen gesunken.

Als funktionale Analphabeten bezeichnet man Menschen, deren Lese- und Schreibkenntnisse für das tägliche Leben unzureichend sind, die etwa Behördenbriefe nicht verstehen, Formulare nicht ausfüllen können und beim Lesen und Schreiben auf Hilfe angewiesen sind.

Die letzte Erhebung wurde 2012 durchgeführt. Bei beiden Untersuchungen wurden die Befragten in fünf Kompetenzstufen eingeteilt, bei der die erste Kompetenzstufe wenige Buchstabenkenntnisse und die höchste Kompetenzstufe Lesen und Schreiben, um damit alle Belange erfüllen zu können, bedeuten.

Erfreulicher Rückgang

Die Entwicklung zeigt, dass die Maßnahmen, die ergriffen wurden, um die Lese- und Schreibkompetenz der Bevölkerung erhöhen, funktionieren. Das ist sehr erfreulich, zeigt aber auch, dass noch ein weiter Weg vor den Institutionen, aber auch vor den Betroffenen liegt, bis man alle erreicht hat. In den Volkshochschulen werden weiterhin Alphabetisierungskurse angeboten, in denen den Betroffenen auf unterschiedlichsten Niveaustufen und sehr individuell das Alphabet, die Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und letztlich auch das Textverständnis nahegebracht werden.

Computer sind zum Lernen wichtig

Mittlerweile werden auch Lernplattformen im Internet angeboten, die von den Betroffenen anonym und kostenlos genutzt werden können. Sie werden beim Lernen von Tutoren begleitet, die Texte korrigieren, Hilfe anbieten und Fragen beantworten. So kann das Lesen und Schreiben unabhängig von Ort und Zeit gelernt werden. Wer keinen Computer hat, um mit dem Lernen zu beginnen, kann sich auch bei mResell umsehen, vielleicht gibt es dort einen passenden PC für ihn.

Der Wunsch nach Schulabschluss und einer Ausbildung

Menschen, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben, sind meist auch nicht fit im Rechnen. Bei vielen ist irgendwann während der Schullaufbahn, aus den unterschiedlichsten Gründen, das Verständnis für den Stoff abhanden gekommen. Später konnten die Lücken nicht mehr aufgeholt werden und es kam eins zum anderen. Erzählen Betroffene von ihrem Werdegang, sieht der häufig ähnlich aus. Häufig sprechen die Teilnehmer in Lese- und Schreibkursen davon, dass sie gerne den Schulabschluss nachholen möchten, weil sie eine Ausbildung machen möchten. Der Weg dorthin ist sehr steinig und dauert Jahre. Viele haben eine Verweildauer von fünf und mehr Jahren in einem solchen Kurs. Die Abbruchquote ist hoch.

Das Recht auf Grundbildung

Dort, wo die Schulen und die Eltern ihren Kindern nicht den Weg in die Bildung zeigen konnten, müssen es die Betroffenen im Erwachsenenalter selber in die Hand nehmen. Dabei gibt es viel zu lernen. Kann man die Buchstaben, lernt man Silben. Kommt man damit klar, geht es auf die Wortebene. Von dort beginnt man mit kleinen Sätzen. Die Lerner müssen sich merken, was sie lesen, und versuchen, den Inhalt wiederzugeben. Dann kann man an das Lesen von Zeitschriften und Büchern gehen. Vielleicht wagt man sich irgendwann einmal auch in ein Theater oder ein Konzert.

Viele Betroffene haben – außer mit der Schule – noch nie ein Museum besucht. Um an allen kulturellen Errungenschaften unserer Gesellschaft teilnehmen zu können, muss man ein gewisses Maß an Grundbildung haben. Sonst kann man diese Kultur nicht erfassen. Daher ist Grundbildung als ein Grundrecht zu sehen.