Was haben Stromnetze mit nachgehenden Uhren zu tun?

In letzter Zeit haben wohl die meisten von uns bemerkt, dass unsere Radiowecker, Herd- oder Mikrowellenuhren etwas nachgehen. Und manch einer mag sich gewundert haben, wieso das so ist, besonders wenn die Geräte noch ziemlich neu sind. So unglaublich es klingen mag, liegt der Grund für diese ungenauen Uhrenanzeigen im Balkan, etliche hundert Kilometer von Deutschland entfernt. Dort gab es nämlich einen Streit um die Strommengen, sprich wie viel Strom zwischen den verschiedenen Ländern fließt. Dieser Streit führte dann mehrere Wochen später dazu, dass nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa Radiowecker sowie Elektroherduhren bis zu sechs Minuten nach gingen. Dies berichtete der ENTSO-E (Verband der Europäischen Übertragungsnetzbetreiber). Der Grund, wieso nur Radiowecker und Elektroherduhren betroffen sind ist, dass diese Uhren vom Stromnetz gespeist werden und keine integrierten Taktgeber besitzen, um die Kosten einer Quarzsteuerung einzusparen. Sie erhalten ihre Informationen über den Zeitverlauf durch die Stromleitung, sprich deren Wechselstromschwingungen.

Zu wenig Strom im Netz

Diese Vorfälle erhielten den Titel Weckergate, und sorgten in ganz Europa für Verwirrung, Fragen und wahrscheinlich einige verpasste Busse. Schuld daran sind – was man sich nur schwer vorstellen kann – politische Differenzen zwNetzwerkbetreiber Symbolbildischen Kosovo und Serbien. Dies teilte der Netzbetreiberverband mit. Für die meisten wird wohl nicht sofort klar ersichtlich sein, wieso ein Streit zwischen diesen Ländern die Anzeige auf der eigenen Herduhr in Deutschland beeinträchtigt. Der Grund dafür ist folgender: Da diese Uhren und Wecker wie bereits erwähnt den Ablauf der Zeit mit Netzfrequenzen ermitteln, führt eine Senkung dieser Frequenz zu ungenauen Uhrenangaben. Ein Vorfall wie diesen gibt es allerdings nur selten, da im Falle einer sinkenden Netzfrequenz normalerweise zusätzliche Energie in das System eingespeist wird, um den Frequenzabfall auszugleichen. Auch leichte Schwankungen in der Frequenz der Netzspannung sind ganz normal. Frequenzen können sowohl zu hoch als auch zu niedrig sein. Im Normalfall findet jedoch schell wieder ein Ausgleich statt, so dass sich das Mittel bei den angepeilten 50 Hertz einpendelt.

Europaweite Vereinbarungen nicht eingehalten

Eigentlich gibt es europaweite Netzbetrieb-Vereinbarungen, um solche Situationen wie das Weckergate zu verhindern. Doch diese Vereinbarungen waren offenbar nicht eingehalten worden. In der Regelzone zwischen den Ländern Serbien, Montenegro und Mazedonien wurden diese Leistungsungleichgewichte über mehrere Wochen nicht ausgeglichen, was zu einem langfristigen Leistungsdefizit führte. Zum Glück waren die einzigen bemerkbaren Auswirkungen die nachgehenden Uhren und Wecker. Immerhin wurde der Tag nicht zur Nacht, besonders zu einer Jahreszeit, in welcher die Tage noch dunkler und kürzer sind. Praktisch ist es allerdings, wenn Der Schuh für Tag und Nacht ist. Diese Abweichungen erweckten auch deswegen so große Aufmerksamkeit, weil Abweichungen der Stromnetzfrequenz von einer solchen Dauer bisher noch niemals aufgetreten sind. Auch dies berichtete der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber. Der Fall zeigt die Dringlichkeit, die politischen Differenzen zwischen diesen Ländern so schnell wie möglich zu lösen, denn es ist wichtig, dass die vorhergesehenen und benötigten Werte im Netz wieder erzielt werden.